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Tee-Blattgrade: Was bedeutet das?

22. Juli 2022
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 4. Sept.

Blattgrade in 30 Sekunden erklärt


Auf Teepackungen stehen manchmal Abkürzungen wie OP, BOP oder sogar SFTGFOP1. Sie sehen kompliziert aus, sagen aber vor allem etwas über Größe, Form und Sortierung der verarbeiteten Teeblätter aus. Sie sind kein allgemein gültiges Schulnotensystem für Geschmack oder Qualität.


Die wichtigste Merkhilfe: Große Buchstabenketten bedeuten nicht automatisch besseren Tee. Entscheidend ist, ob Herkunft, Verarbeitung, Frische und Geschmack zu Ihnen passen.

Das hier beschriebene System begegnet Ihnen hauptsächlich bei schwarzem Tee aus Indien, Sri Lanka und einigen weiteren Anbaugebieten. Bei Grüntee, Weißtee, Oolong sowie vielen chinesischen und japanischen Tees werden andere Bezeichnungen verwendet.



Was ein Blattgrad aussagt – und was nicht


Nach der Herstellung wird schwarzer Tee häufig mit Sieben nach Blattgröße und Blattform sortiert. Daraus entstehen Bezeichnungen für ganze Blätter, gebrochene Blätter und sehr kleine Blattteilchen.


  • Der Blattgrad beschreibt: vor allem Größe, Form, Blattanteile und den Anteil heller Blattknospen.

  • Der Blattgrad beeinflusst: wie schnell der Tee Farbe, Aroma und Gerbstoffe an das Wasser abgibt.

  • Der Blattgrad garantiert nicht: dass ein Tee automatisch hochwertiger, teurer oder geschmacklich besser ist.


Ein sorgfältig hergestellter Broken-Tee kann ausgezeichnet schmecken, während ein großes Blatt bei schlechter Verarbeitung oder falscher Lagerung enttäuschen kann. Außerdem werden die Bezeichnungen nicht in jedem Anbaugebiet völlig gleich verwendet.



Orthodox und CTC einfach erklärt


Orthodoxe Verarbeitung


Bei der orthodoxen Herstellung werden die gewelkten Blätter gerollt. Dabei bleiben je nach Verarbeitung ganze Blätter oder deutlich erkennbare Blattstücke erhalten. Nach dem Trocknen werden sie nach ihrer Größe sortiert.


CTC: Crush, Tear, Curl


Beim CTC-Verfahren werden die Blätter maschinell zerdrückt, zerrissen und gerollt. Es entstehen kleine, gleichmäßige Teilchen, die schnell einen kräftigen, farbintensiven Aufguss ergeben. Deshalb findet man CTC-Tee häufig in Teebeuteln, Frühstücksmischungen und Chai.


CTC ist nicht automatisch minderwertig. Es ist ein anderer Herstellungsstil mit einem anderen Ziel: schnell ziehender, kräftiger Tee statt eines großen, optisch ansprechenden Blattes.

Die wichtigsten Buchstaben


  • OP – Orange Pekoe: eine verbreitete Bezeichnung für ganzblättrigen schwarzen Tee. Orange Pekoe hat nichts mit Orangengeschmack zu tun.

  • B – Broken: Das Blatt wurde in kleinere Stücke gebrochen.

  • F – Flowery: weist häufig auf junge, feine Blattanteile hin. In anderen Positionen kann F auch Finest oder Fannings bedeuten.

  • G – Golden: bezeichnet sichtbare goldfarbene Blattspitzen.

  • T – Tippy: weist auf einen höheren Anteil heller Blattknospen, der sogenannten Tips, hin.

  • S – Souchong: steht meist für größere, ältere Blätter weiter unten am Trieb.

  • 1 – Grade One: eine zusätzliche Qualitäts- oder Sortierungsstufe innerhalb eines bestimmten Systems; nicht weltweit einheitlich.

Ganzblatt, Broken, Fannings und Dust im Vergleich


Blattgrad

Aussehen

Aufguss

Zubereitung

Ganzblatt

große, erkennbare Blätter

oft feiner und langsamer

meist etwas länger ziehen lassen

Broken

kleinere Blattstücke

kräftiger und schneller

eher kürzer ziehen lassen

Fannings

sehr kleine Blattteilchen

schnell kräftig

häufig in Teebeuteln

Dust

feinste Partikel

sehr schnelle Extraktion

kurze Ziehzeit


Diese Angaben sind Tendenzen. Dosierung, Wassertemperatur und Ziehzeit verändern das Ergebnis stark. Probieren Sie einen neuen Tee am besten zunächst nach der Empfehlung des Händlers und passen Sie die Ziehzeit anschließend an Ihren Geschmack an.

Was bedeutet der Blattgrad für Geschmack und Ziehzeit?


Je kleiner die Blattteilchen sind, desto größer ist ihre Oberfläche im Verhältnis zur Menge. Dadurch gelangen Inhaltsstoffe meist schneller ins Wasser. Broken, Fannings und Dust ergeben deshalb häufig schneller einen kräftigen und herberen Aufguss. Ganze Blätter entfalten sich langsamer und eignen sich je nach Tee gut für mehrere Aufgüsse.


  • Der Tee schmeckt zu dünn? Etwas mehr Tee verwenden oder länger ziehen lassen.

  • Der Tee schmeckt zu herb? Die Ziehzeit verkürzen oder etwas weniger Tee verwenden.

  • Kleine Blattteilchen? Früher probieren, denn sie geben ihre Inhaltsstoffe schneller ab.

  • Große Blätter? Genügend Platz im Sieb oder in der Kanne lassen, damit sie sich entfalten können.

Blattgrad, Qualität und Koffein


Der Blattgrad allein erlaubt keine sichere Aussage über den Koffeingehalt in Ihrer Tasse. Junge Knospen können mehr Koffein enthalten als ältere Blätter, und kleine Partikel geben Koffein schneller an das Wasser ab. Ebenso wichtig sind jedoch Teepflanze, Herkunft, Erntezeit, Verarbeitung, verwendete Menge, Wassertemperatur und Ziehzeit.


Auch beim Preis gilt: Lange Abkürzungen und große Blätter können auf eine aufwendige Sortierung hinweisen, sind aber keine Garantie für den persönlichen Genuss. Ein kräftiger BOP kann für ein Frühstück mit Milch die bessere Wahl sein als ein besonders feiner, leichter Ganzblatt-Tee.

Die gebräuchlichsten Blattgrade


Ganzblättrige orthodoxe Tees


  • SFTGFOP1 – Special Finest Tippy Golden Flowery Orange Pekoe, Grade 1: eine sehr feine, tippy Sortierung, besonders bei Darjeeling gebräuchlich.

  • FTGFOP – Finest Tippy Golden Flowery Orange Pekoe: feines Ganzblatt mit sichtbaren hellen Blattspitzen.

  • TGFOP – Tippy Golden Flowery Orange Pekoe: Ganzblatt mit einem deutlichen Anteil an Tips.

  • GFOP – Golden Flowery Orange Pekoe: Flowery Orange Pekoe mit goldfarbenen Blattspitzen.

  • FOP – Flowery Orange Pekoe: Ganzblatt mit jungen Blattanteilen.

  • OP – Orange Pekoe: eine verbreitete Ganzblatt-Sortierung.

  • P – Pekoe und S – Souchong: gröbere beziehungsweise größere, meist ältere Blattanteile.



Gebrochene Blätter


  • BOP – Broken Orange Pekoe: die verbreitete Standardsortierung für gebrochenes Blatt; oft kräftig und mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.

  • FBOP – Flowery Broken Orange Pekoe: Broken-Tee mit feineren jungen Blattanteilen.

  • GFBOP – Golden Flowery Broken Orange Pekoe: Broken-Tee mit goldfarbenen Tips.

  • TGFBOP – Tippy Golden Flowery Broken Orange Pekoe: Broken-Tee mit einem höheren Anteil sichtbarer Tips.


Fannings und Dust


Fannings sind kleine Blattteilchen, Dust bezeichnet die feinste Sortierung. Beide ziehen sehr schnell und werden deshalb häufig für Teebeutel oder kräftige Mischungen verwendet. Die geringe Partikelgröße beschreibt zunächst die Sortierung – nicht automatisch die Sorgfalt der Herstellung oder den Geschmack.

Welche Sorte passt zu mir?


  • Sie mögen feinen, vielschichtigen Tee? Probieren Sie einen orthodoxen Ganzblatt-Tee wie OP, FOP oder TGFOP.

  • Sie wünschen einen kräftigen Frühstückstee? BOP oder ein guter CTC-Tee kann passend sein.

  • Der Tee soll schnell ziehen? Fannings und kleinere Broken-Sortierungen geben rasch Farbe und Stärke ab.

  • Sie möchten mehrere Aufgüsse versuchen? Greifen Sie eher zu größeren, gut erhaltenen Blättern und geben Sie ihnen Platz.

Fazit


Blattgrade helfen dabei, die Form und Sortierung eines schwarzen Tees zu verstehen. Als alleinige Qualitätsnote taugen sie jedoch nicht. Herkunft, Ernte, Verarbeitung, Frische und vor allem Ihr eigener Geschmack sind mindestens ebenso wichtig.


Wenn Sie sich nur eine Regel merken möchten: OP steht eher für ganzes Blatt, B für Broken – und je kleiner das Blatt, desto schneller und meist kräftiger zieht der Tee.

Quellen und weiterführende Informationen


 
 
 

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